Rotorblätter von Windenergieanlagen werden immer größer, komplexer und damit auch anspruchsvoller in der Prüfung. Viele Schäden entstehen tief im Inneren der Faserverbundstrukturen und bleiben mit klassischen Inspektionsverfahren lange unsichtbar. Wenn Defekte erst an der Oberfläche sichtbar werden, sind Reparaturen oft deutlich aufwendiger und teurer.
Genau hier setzt das Forschungsprojekt InInspekt an. Im Verbund arbeiten die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die Universität Würzburg, EduArt Robotics und der KI-Spezialist LATODA zusammen. Ziel ist es, die Inneninspektion von Rotorblättern mit einem mobilen Robotersystem grundlegend zu modernisieren und Schäden früher sowie präziser zu erfassen.
EduArt Robotics übernimmt dabei die Projektkoordination und entwickelt die mobile Roboterplattform. Das System ist für den Einsatz in schwer zugänglichen Innenräumen der Rotorblätter ausgelegt, in denen manuelle Prüfungen bislang aufwendig, langsam und für das Personal belastend sind. Der robotische Ansatz soll den Inspektionsaufwand reduzieren und gleichzeitig die Datenqualität sowie die Vergleichbarkeit der Messergebnisse verbessern.
Technisch setzt InInspekt auf eine Kombination mehrerer Sensormodalitäten. Ein LiDAR-basiertes System unterstützt Navigation und präzise geometrische Verortung im Inneren des Blattes. Ergänzend kommen Messkameras, eine Farbkamera und Thermografie zum Einsatz, um sowohl sichtbare als auch oberflächennahe und tieferliegende Schäden zu erfassen. Die Universität Würzburg entwickelt dabei zentrale Teile des Messaufbaus, darunter auch eine bewegliche Einheit zur exakten Ausrichtung des Sensorsystems.
Die entstehenden Daten werden anschließend mit KI-gestützter Bildauswertung verarbeitet. Auffälligkeiten sollen nicht nur erkannt, sondern auch klassifiziert, räumlich zugeordnet und für eine langfristige Zustandsbewertung aufbereitet werden. Damit entsteht eine belastbare Grundlage für bessere Wartungsentscheidungen und eine längere Nutzungsdauer von Rotorblättern.
InInspekt ist am 1. Dezember 2025 gestartet und auf eine Laufzeit von zwei Jahren angelegt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Maßnahme Digital Green Tech – Umwelttechnik trifft Robotik. Vorgestellt wird das Thema außerdem von der BAM auf der Hannover Messe vom 20. bis 24. April 2026.
Für EduArt Robotics zeigt das Projekt sehr konkret, wie mobile Robotik, robuste Sensorintegration und praxisnahe KI anspruchsvolle Prüfaufgaben im Energiesektor unterstützen können. Oder etwas weniger förmlich gesagt: Manchmal ist der beste Platz für einen Roboter eben mitten im Rotorblatt.